Dienstag, 29. Dezember 2009

Likai Zhongguo..


29.12., 19:00

Ich sitze gerade im Zug nach Shanghai, von wo es morgen dann nach Deutschland geht. Der Abschied von der Anhui University war noch nett – wir hatten heute die Neujahrsfeier mit jeder Menge Aufführungen. Meine Klasse hat sich um ein Theaterstück bemüht, „Aschenputtel und die drei Zwerge im Wald“, was ich verfasst, also von den Brüdern Grimm kopiert und in Chinesisch umgeschrieben habe. Versteht sich also von selber, dass das ganz fantastisch war! Die drei weiblichen Hauptrollen (Aschenputtel, Stiefmutter, Stiefschwester) konnten zwar nur zu 1/3 weiblich besetzt werden, wodurch die holde Weiblichkeit von Aschenputtel (von unserer zierlichen Indonesierin Daisha besetzt) gegenüber der verhärmten Verwandschaft (Koreaner Jin Minho als Stiefschwester, Amerikaner Jesse als Stiefmutter) aber noch unterstrichen wurde. Ich hatte die Ehre, den Zwerg „Zhang San“ (Zhang Nummer 3) zu spielen.. Tja, und das war dann ein netter Abschied. Die anderen Klassen haben vor allem gesungen, z.B. gab es „Yueliang daibiao wo de xin“ (Der Mond repräsentiert mein Herz) von einer Vietnamesin und einem Kameruner zu hören. Reichlich bescheuert war dagegen der Auftritt von unseren Lehrern, die eine vulgärpatriotische Nummer abgezogen, ein Lied mit der Hookline „Ich liebe meine Familie, ich liebe mein Land, ich liebe meine Nation“ gesungen und am Ende Flaggen der VR geschwenkt haben.

Ich hatte vor zwei Wochen noch einen kleinen Ausflug nach Hangzhou gemacht und mich mit Jonas, den ich auf dem Stipendiatentreffen in Beijing kennengelernt habe, getroffen. Die Stadt hat eins dieser kongenialen Fahrradleihsysteme (wie es sie auch in z.B. Barcelona geben soll), wo man an Fahrradständen, die über die ganze Stadt verteilt und an jeder Ecke zu finden sind, mit einer ID-karte ein Fahrrad ausleihen kann und es dann später woanders wieder abgeben kann. Und das ganze ziemlich günstig, wir hatten drei Tage lang jeden Tag circa fünf Stunden Fahrräder ausgeliehen und am Ende nur 1,60€ bezahlt! Speziell für China eine super Idee, um dem unglaublichen Verkehr entgegen zu wirken. Und ich habe mal wieder gemerkt, wie spaßig Radeln in China ist, aber auch etwas gefährlich (weil man versucht ist, sich dem Verkehrsverhalten der Chinesen anzupassen, also ohne Rücksicht quer durchs Beet zu dreschen).. ich hatte nur damals in Chengdu ein Rad, in Hefei hab ich kein passendes gefunden. Das ist natürlich nicht das einzig gute an Hangzhou. Das Zentrum der Stadt liegt direkt am Westsee, der einigermaßen groß ist und rundum von – surprise! - grün umgeben ist. Weil das in chinesischen Städten eine gewisse Rarität darstellt, ist Hangzhou ein beliebtes Reiseziel und auch im Winter voll von Touristen – man kann aber vom See aus in Richtung südwesten radeln, wo es jede Menge Berge mit malerischen Wäldern und buddhistischen Tempeln zu sehen gibt. Der Stadtteil im Osten vom See ist ziemlich schickimicki und teuer, mit Designermode-Boutiquen und teuren Cafés. Anders als in Hefei haben wir auch gute Ausgehmöglichkeiten gefunden, z.B. ein Jazzcafé und eine Reggaebar. Und am Sonntag hätte es ein Punkkonzert geben sollen, was aber merkwürdigerweise schon um 15:00 anfing und, als wir ankamen, lange zu Ende war.

Zuletzt noch eine Warnung: Auch wenn ihr Nerven wie Drahtseile habt, nehmt euch in Acht vor der schrecklichen Geisterbahn im Vergnügungspark von Hefei! Für 10 Yuan erlebt man unvergessbares Grauen. Der Autor dieser Zeilen wurde von saditsischen Chinesen dort hingeschleppt, seitdem haben ihn die dämonischen Bilder nicht verlassen. Zurück in der alten Heimat muss ich wohl in eine Heilanstalt einweisen lassen. Soweit ich weiß hat Malte eine gute in petto?

Dienstag, 15. Dezember 2009

Hall of Meat #3

In chinesischen upscale-Restaurants ist es öfters Sitte, dass die Zutaten der jeweiligen Gerichte unter Plastikfolie ausgestellt werden, damit man eine Ahnung hat, was denn am Ende auf dem Teller landet (die Gerichtnamen geben nicht immer Aufschluss - "Grüner Drache springt über den Fluss", anyone?). Das sind dann z.B. in Streifen geschnittene Auberginen, Muerr-Pilze, quadratisch geteiltes Tofu oder ..

Dienstag, 8. Dezember 2009

Nanjing!

Am Samstag habe ich mit meinen beiden Cazzone Julia und Feide einen kleinen Ausflug nach Nanjing ("südliche Hauptstadt") unternommen. Glücklichweise gibt es aus Hefei einen Schnellzug, mit dem man innerhalb einer Stunde ankommt - dabei gibt es dann direkt bei Nanjing noch die Überquerung des Jiangtse (eigentlich: Changjiang) zu bewundern, wovon ich leider kein gutes Foto schiessen konnte. Man merkt direkt, dass man in einer anderen Stadt und in einer anderen Provinz ist, auch wenn Nanjing vielleicht nicht eine superentwickelte Metropole ist. Immerhin, es gibt einiges mehr zu sehen als in der Heimat, z.B. ein Starbucks, das Mausoleum des Revolutionsführers Sun Yatsen, eine Stadtmauer, Paläste und Tempel. Wir waren nur für einen Tag da und haben uns deshalb natürlich etwas kurz gefasst.. Nanjing war, soweit ich weiss, zweimal die Hauptstadt Chinas: Zu Beginn der Mingdynastie, nachdem die Mongolen aus China vertrieben wurden (dem Sohn des ersten Mingkaisers gefiel Nanjing aber nicht, weshalb er die Hauptstadt wieder nach Beijing verlegt hat); und während der chinesischen Republik ab 1911. Das ist auch ein Grund dafür, dass die Japaner bei der Eroberung Chinas ziemlich scharf darauf waren, Nanjing einzunehmen und sich Untertan zu machen; und dabei wiederum gingen sie nicht grad mit Fingerspitzengefühl vor, sondern haben die Zivilbevölkerung reichlich grausam massakriert.
Ein Museum in Nanjing dokumentiert das Geschehen mit Fotos, Texten und Videos und verlangt einem dabei einen guten Magen ab. Bei dem ganzen ist natürlich etwas Vorsicht angebracht: Ein dämonisierter Feind (hier: Japaner) haben noch keiner Regierung geschadet. Ist es richtig, ein schlimmes Verbrechen anzuklagen? Natürlich! Aber die Darstellung ruft doch einen ziemlich starken die-gegen-uns Effekt hervor - so wird in jeder Bildunterschrift wiederholt: Das Massaker duch japanische Invasoren. Das ist auch sicher nicht Zufall - ein Text am Museumsausgang zitiert den chinesischen Ex-Präsidenten Jiang Zemin:
"This is a good place to carry out patriotic education. We must never forget the patriotic education of the young, and this tragic history must also never be forgotten."
Aber vielleicht seh ich das auch einfach etwas zu stark durch die Brille eines Deutschen, der es gewohnt ist, seine eigene Geschichte zu kritisieren - während das moderne Deutschland seine Legitimation teils durch die Kritik von Nazideutschland erhält, liegen zumindest die Wurzeln der Legitimation der VRCh im Kampf gegen die Japaner.
Der Besuch war natürlich ziemlich bedrückend - die Japaner haben Nanjing erobert und danach innerhalb von sechs Wochen 300.000 Chinesen ermordet, inklusive Folter und Vergewaltigung. Für die Japaner waren die Chinesen damals nicht viel mehr als Tiere, und die Generäle wollten systematisch den Widerstandswillen in der Bevölkerung brechen. Die Hälfte der Toten stammt aus Erschießungskommandos, in andere Hälfte wurde spontan ermordet.. Wir mussten uns danach etwas Erholung mit einem kleinen Spaziergang entlang der Stadtmauer und des südlichen Kanals um die Stadtmauer (Foto siehe oben) gönnen. Irgendwann haben wir uns auf dem Weg zum Purpurberg im Osten der Stadt verlaufen und konnten nur noch einen Bus zum Mausoleum von Sun Yat-sen nehmen; der Eintritt war dann aber so unverschämt hoch (140 Yuan), dass wir statt dessen eine kleine Tour mit dem öffentlichen Nahverkehr um den Purpurberg gemacht haben. Immerhin, entgegen Julias und meinen Befürchtungen ist uns Feide während des Trips nicht abhanden gekommen (er ist etwas .. unorganisiert). Am Ende hatten wir nicht mehr viel Zeit hatten und konnten nur noch schnell in den Foreign Languages Bookstore (gibts in Hefei nicht) und was Essen. Ah, und ein Bier für die Rückfahrt kaufen.

Hall of Meat #2

Auf besonderen Wunsch von Steffi hier noch mal ein Motiv aus der beliebten "Hall of Meat"-Reihe!

Freitag, 27. November 2009

Hall of Meat #1

Ein klarer Vorteil von China ist, dass (Ironie an) die Lebensmittelindustrie nicht so intransparent ist ist wie in Deutschland - hier weiss man noch, wo seine Nahrung herkommt (vom Markt natürlich)! Das trifft besonders auf Fleisch zu - in Deutschland: In Plastik eingewickelte Paketchen, die in Tiefkühltruhen vor sich her schlummern und wer weiss wo angebaut wurden; in China bekommt mans direkt vom Erzeuger. (Ironie aus)


Was gibts sonst so neues in Hefei? Nachdem Make uns in Richtung Beijing verlassen hat, ist meine Peergroup hier empfindlich geschrumpft. Möglicherweise muss der nächste (Federico) schon im Dezember nach Italien zurück, womit sich der Anteil an Europäern (Ukrainer und Russen mal außen vor) an der Uni um ein Drittel verringern würde - wenn ich richtig zähle waren wir vorher sechs. Immerhin, das ist für mich ein Anreiz, mich mehr um meine chinesischen Bekannten zu kümmern ;-).

Donnerstag, 19. November 2009

.. in die große Welt hinein

15.11.
Brr, Beijing ist im Vergleich zu Hefei doch etwas kälter. Nachdem ich drei Stunden durch die Stadt gewandert bin, bin ich kaum in der Lage, meine Hände zu bewegen. Ich musste im Bookworm - einem kleinen Café im Chaoyangbezirk von Beijing - Zuflucht suchen.
Das Stipendiatentreffen war überraschend gut! Neben der Angenehmheit, nach fast drei Monaten in Asien ein westliches Frühstücksbuffet und ein gewärmtes Zimmer zu bekommen, hat auch das Programm Spaß gemacht. U.a. gab es einen Empfang in der deutschen Botschaft (Freibier inklusive, was die meisten von uns Studenten voll ausgeschöpft haben), einen Vortrag vom Zeit-Korrespondenten in Beijing Frank Sierer (etwas populistisch) und eine Stadtrundfahrt mit einem italienischen Architekten (der jede Menge Fachwissen über Stadtplanung sowie trockenen Humor dabei hatte). Ein paar andere Sachen waren keine unbedingten Highlights (Vortrag über Arbeitschancen in China etc.). Insgesamt war nur ein Tag mit Programm gefüllt.. Die anderen Studenten hab ich hier zum ersten mal getroffen, es gibt momentan weder aus Duisburg noch in Hefei DAAD-Stipendiaten! "Merkwürdigerweise" waren die meisten in Shanghai stationiert und studierten BWL auf englisch. Aber man kann ja trotzdem ein guter Mensch sein ;-).
Am meisten hab ich mich vorher darauf gefreut, zu sehen ob sich Beijing verändert hat. Hier spriessen grade ein paar neue Wolkenkratzer aus dem Boden, am Tiananmen-Platz stehen bescheuerte Stelen, die Chinas 56 (richtig gezählt?) ethnische Minderheiten symbolisieren sollen, und die vorher symphatischere Dazhalan-Xijie-Straße, wo ich mir ein Hostel gesucht habe, wurde aufgepimpt und sieht jetzt etwas steril aus, etwa so wie die CentrO.-Promenade. Mein Lieblingsessen vom letzten mal, uighurisches gegrilltes Brot ("Kaonang") gabs immer noch, auch wenn der Grillmeister nicht mehr der selbe war. Und auch "mein" altes Haus stand noch - ich war mir aber nicht sicher, welche Nummer unsere Wohnung hatte und hab deshalb nicht geklingelt - mal ganz davon abgesehen, dass meine ehemaligen Flatmates auch vermutlich umgezogen sind.. Ich habe die ganze Zeit über das Gefühl, dass die Stadt viel sauberer und aufgeräumter aussieht als vor zwei Jahren - vielleicht liegt das daran, dass vor Olympia so viel fertiggebaut wurde und die Stadt dann nochmal für den 60. Geburtstag der Volksrepublik herausgeputzt wurde?

Vor zwei Wochen gab es übrigens einen plötzlichen und starken Schneefall in Beijing, nach dem mir von allen Seiten das Gerücht zugetragen wurde, die Wetterbeeinflussungsbehörde habe eigentlich Regen machen wollen und sich verkalkuliert.. Für den Besuch von Obama in Beijing heute abend ist jedenfalls für einen blauen Himmel gesorgt, wobei das in Beijing im Winter eigentlich Normalzustand ist.
Als ich das letzte mal hier war, wurde z.B. am CCTV-Gebäude noch gewerkelt - das ist inzwischen längst fertig, leider ist das zum Komplex gehörende TVCC (das kleinere dahinter) beim letzten chinesischen Neujahr abgebrannt, irgendjemand hatte die Sache mit dem Feuerwerk übertrieben.. ;-) Ziemlich beeindruckend ist auch das Olympiagelände (nicht so organisch in die Stadt eingefügt wie in München, aber kolossaler), wo wir uns gestern beim Besuch den Popo abgefroren haben.
Nach diesem Wochenende, an dem ich vom deutschen Staat nach allen Regeln der Kunst verwöhnt wurde (danke Staat!), geht morgen abend mein Nachtzug nach Xi`an, wo es bestimmt klasse wird. Auf die Terrakotta-Armee bin ich zwar gar nicht so scharf, aber ein Besuch in der Stadt ohne wär wohl beschämend. Andere Highlights sollen angeblich die Stadtmauer und das Muslimviertel (entspricht das Duisburg-Marxloh?) sein ..


18.11.
Ich bin also Montag abend nach einem leckeren Abendessen mit Jonas (einem Mit-Stipendiaten) und zwei Freunden von ihm in den Zug nach Xi`an gestiegen, nach zwei Tagen durch-die-Stadt-rennen ziemlich müde und nur darauf aus, zu schlafen - aber natürlich wurde daraus nicht viel: Ein älterer Chinese, der das Bett über mir hatte, rezitierte mit voller Stimme irgendeinen Quatsch, der sich für mich wie eine Comedy-Vorstellung angehört hat. Vielleicht auf dem Weg zu einem Talentwettbewerb in Xi´an? Leider hat niemand den guten darauf aufmerksam gemacht, dass das ziemlich nervte, und ich wollte auch nicht den unfreundlichen Ausländer geben. Ich habe mir dann stattdessen ein Terry Pratchett-Hörbuch angehört. Auch als er endlich fertig war, war das Einschlafen nicht viel einfacher, da der Kerl wie eine Seekuh zu schnarchen angefangen hat. Ai ya!


Das besondere an Xi´an ist, dass die ganze Stadt von einer riesigen Stadtmauer umgeben ist, auf der man wandern, radfahren u.a. kann. Beijing hatte sowas auch mal, bis die Mauern abgerissen und durch die zweite Ringstraße ersetzt wurde, sodass nur noch einige kümmerliche Überreste im Südosten zu sehen sind. Nachdem ich in einem netten Hostel am Südtor meinen Reiserucksack abgeladen habe, habe ich den Bus zu Xi´ans Nummer-1-Attraktion, der Terrakotta-Armee, genommen.

Die Armee wurde für den ersten Kaiser Chinas (ca. 221 v.Chr.) gebaut - warum genau, ist nicht bekannt; es wurde damals auch nirgendwo vermerkt, dass überhaupt eine Tonarmee gebaut wurde. Erst 1974 waren Teile der Armee von Bauern, die einen Brunnen graben wollten, gefunden worden - vermutlich wurden die danach schnell verscheucht, damit der Rest fachgerecht ausgehoben werden konnte. Die Armee ist nicht direkt am Grab des ersten Kaisers, sondern leicht abgelegen und darum verstreut - eine einfache Grabbeilage war es also genausowenig wie ein Schutz vor Plünderern. Vermutlich wollte der leicht durchgedrehte chinesische Kaiser, der unter Verfolgungswahn litt, mit allen möglichen als lebensverlängernd angesehenen Substanzen (u.a. Quecksilber) experimentiert hatte, den Bau einer ersten großen Mauer anordnete sowie den Besitz von Büchern unter Strafe stellte und einmal mehrere tausend Gelehrte lebendig begraben liess (laut den konfuzianischen Schreibern, die eventuell leicht voreingenommen waren), eine schlagkräftige Armee im Nachleben haben.

Die Ausstellung - in drei Hallen, wo jeweils andere Ausgrabungsstätten präsentiert werden - war nicht übel, ich hätte mir aber mehr Erläuterungen und Hintergrundinfos gewünscht, vielleicht auch Vergleiche zu ähnlichen Monumenten in anderen antiken Kulturen und was es nicht alles gibt. So hatte alles leicht den Charakter von "einmal gesehen, und ab zurück in den Bus". Ich hätte natürlich für mich allein einen Reiseführer anheuern können.. Ziemlich beeindruckend war, wie unterschiedlich und vielfältig die einzelnen Figuren sind, an denen man unterschiedliche Waffen, Kleidung, Mützen, Gesichtszüge und Schnurrbärte sieht (fast jeder Krieger hatte einen fabelhaften Schnurrbart, was angesichts den zurückhaltenden Bartwuchses der meisten Chinesen etwas verwunderlich ist)! Ausserdem wurden nicht nur Soldaten, sondern auch Tänzer, Tiere und deren Dompteure gefertigt und begraben. Dazu kommen dann noch einige Bronzekutschen, deren Einzelteile, Pferde und Lenker in mehr als 3.000 Teilen einzeln gegossen wurden. Viel Lärm um einen Kaiser also..

Weil mir Xi´an gut gefallen hat habe ich mich entschlosse, nicht mit Zwischenstopps in Luoyang und Kaifeng zurückzufahren, sondern länger zu bleiben und dann mal wieder einen direkten Nachtzug zu nehmen. Ziemlich viel an der Stadt hebt sich nicht von anderen Städten, z.B. auch Hefei ab. Ich find es schwer auf Anhieb zu beschreiben, aber die Straßen sehen auch hier typisch chinesisch aus, ziemlich grade, viele Autos, etwas auswechselbare Straßenzüge und Läden, die sich jeweils nicht von anderen in der Umgebung abheben, riesige Neubauprojekte, bei denen einiges gut, anderes abartig aussieht und so weiter. Das hört sich etwas hart an, aber die meisten chinesischen Städte sind an sich nunmal meistens nicht besonders schön, gefällig oder was auch immer ;-).



Das Muslimviertel der Stadt ist dagegen wirklich nett - wenn man das wirtschaftsgeographisch erklären will scheint das der Stadtteil zu sein, der für Bürger und Touristen von Xi´an einen Bedeutungsüberschuss an Snacks hat (ein Hektagramm konnte ich aber nicht finden ;P); jedes zweite Haus ist eine Snackbude mit "typischen Muslimgerichten". Gewusel auf den Straßen, die lustigen Leute mit Käppchen und Kopftüchern, den Stände mit Feigen, Datteln und anderem Trockenobst und Straßenmetzgereien, vor denen riesige Fleischstücke und Tiere rumbaumeln.. Und anders als in Restchina gibt es hier Brot, also wenn man die Milchbrötchen, die man an jeder Trinkhalle in China bekommt, mal aussen vor lässt.

Mitten im Moslemviertel findet man die "Große Moschee", die mit leicht chinesischem Touch gebaut wurde. Man erkennt erst auf den zweiten Blick, dass das überhaupt eine Moschee ist und nicht ein buddhistsicher Tempel: Das Gelände geht nicht von Süd nach Nord wie chinesische Tempel, sondern von Ost nach West (Mekka..). Wie in chinesischen Tempeln gibt es eine "Geisterwand", die beschränkte Geister, die nach chinesischem Glauben nicht um Ecken gehen, davon abhält in den Tempel zu kommen. Und das Minarett, naja, man hätte es auch für eine Pagoda halten können.
Hie und da sieht man aber doch arabische Kalligraphien, einen Koran, das große Gebetshaus am Kopf des Geländes, und es ist - grade auch mit dem Schnee, der hier auf den Häuserdächern liegt - klar eine der schönen Tempelanlagen. Das befindet auch das offizielle Guidebook zur Moschee, das etwa den "Ein-Gott-Pavillion" wie folgt beschreibt: "The whole architecture seems to be a beautiful Phoenix which is opening its wings and is about to fly."

Donnerstag, 5. November 2009

Nachrichten aus Mittelerde

Das Semester an der Anhui Univesity ist zur Hälfte - und viel zu schnell - schon um, und damit ist auch im Unterricht ziemliche Routine eingekehrt. Jeden Tag von 8 bis 12, man weiss genau wann die Pausen dazwischen sind und freut sich auf einen heissen Nescafé (inzwischen wird es auch in Hefei etwas kälter. Besser: War es auch in Hefei etwas kälter geworden, nämlich am Montag und Dienstag, inzwischen sind wir wieder bei Tagestemperaturen von mehr als 20°. Eine ältere Dame hat mir erklärt, das Wetter sei kurzfristig so kalt gewesen, weil eine legendäre Hexe einen kalten Wind aus Sibirien herüber pustet).

Der Unterricht ist meistens - mit wenigen Ausnahmen - ok, aber leider nicht grandios, weshalb ich auch auf die Option, hier ein zweites Semester zu bleiben, verzichten werde. Eigentlich die beste Lehrerin ("Lehrerin Li") haben wir im Schreibunterricht, aber die gute Dame hat so eine schrille, laute Stimme und spricht einen bösen Anhui-Dialekt, sodass ich froh bin, sie nur einmal in der Woche ertragen zu müssen. Immerhin lässt sie uns eine Menge reden, das vergessen die anderen Lehrer ab und an. Ausserdem etwas merkwürdig ist, dass sie uns immer Aufsätze schreiben lässt und die dann, statt sie selber zu korrigieren, von ihren chinesischen Studenten ausbessern lässt. Die Studenten sollen dann jeweils mit uns per Telefon Kontakt aufnehmen, uns treffen und die fertigkorrigierten Aufsätze übergeben.. Das hat den Hintergrund, dass Lehrerin Lis chinesische Studenten "Chinesisch für Ausländer" lernen und somit später glücklichen Langnasen die chinesische Sprache beibringen werden - die sollen also jetzt schon Erfahrungen mit "Waibin" (外宾, auslöndischen Gästen) machen.

Damit bin ich nun nicht so besonders glücklich, weil das bedeutet, jede Woche eine neue Minibande von chinesischen Studenten (einer kommt selten alleine) dazuhaben, mit denen Smalltalk machen zu müssen etc. Jeder der mal in China war weiss nämlich, dass das nicht unbedingt einfach ist - ok, ich kann mich ohne Probleme eine Stunde auf Chinesisch unterhalten, aber die chinesischen Studenten sind so darauf programmiert, Auslönder erstmal nicht als Kommilitonen, sondern eben als "Ausländische Gäste" wahrzunehmen, dass das Gespräch immer um "Wie lange bist du in China? Wie lange wirst du in China bleiben? Magst du das chinesische Essen?" oder so kreist. Der erste Kontakt ist deshalb meist etwas anstrengend, weil man die selben Sätze, die man shcon tausendmal gesagt hat, andauernd wieder anbringen muss.

Ich freue mich grade übrigens ausserordentlich darüber, dass der DAAD mich zu einem Stipendiatentreffen in Beijing in eineinhalb Wochen eingeladen hat, Fahrtkosten und Übernachtung inklusive. Das bedeutet dann erstmal in beijing rumhängen, ein paar altbekannte Sehenswürdigkeiten und Bars (D22! Little Jiuba!) besuchen, schauen ob meine ehemaligen Mitbewohnerinnen noch in dem selben, heruntergekommenen Haus am Xidan (西单,"westliche Kommune") wohnen - und danach kann ich dann die Gelegenheit am Schopf ergreifen und einen Zug nach sonstwohin nehmen, Xi`an oder Chengdu etc.
[Das Foto, das ich hier eher willkürlich an der rechten Seite angebracht habe, habe ich an einem der Seen, die das Stadtzentrum (wohl den historischen Kern, obwohl man das wegen der kommunistischen Raumerschließung nicht mehr ganz nachvollziehen kann) umschließen, gemacht. Das ist einer der schönsten Plätze in Hefei - die Brücke führt zu einer kleinen Insel, auf der einige kleine Höfe und ein Teehaus im Huizhou-Stil sind.]